LOST – The End – The Final Episode – S06E17-18

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Das Ende von LOST

I am LOST

6 Jahre hat diese Serie begleitet und heute am 23.05.2010 bzw. am 24.05.2010 unserer europäischen Zeit ist sie zu Ende gegangen. LOST und ich wir haben unsere Geschichte. Den Pilotfilm habe ich nur halbherzig nebenbei geschaut und die tiefgründigen Anspielungen und Mysterien nicht verstanden. Darum habe ich auch zunächst nicht weiter geschaut. Erst als Freunde, die einen ähnlichen Filmgeschmack wie ich haben, der Serie verfallen waren, habe ich ihr noch eine Chance gegeben und die ersten Episoden am Stück geschaut und ich war gefangen. Wenn man erst einmal verstanden hatte, daß bei LOST der Weg das Ziel ist und nicht mehr von der Vorstellung besessen ist, alles so schnell wie möglich genau wissen zu wollen, dann entdeckt man einen der größten Schätze der TV Geschichte.

LOST hat wie kaum eine andere Serie die Film- und Fernsehwelt geprägt. Lange Zeit gab es im TV lediglich abgeschlossene Epsioden. Erst mit 24 und LOST begann eine Ära der durchgehenden Erzählstruktur, die man jetzt in vielen Serien wieder findet.

LOST hat für mich auch dazu geführt, daß ich Menschen kennengelernt habe, die ich wahrscheinlich ohne LOST nie kennengelernt hätte. Und wir hatten zusammen viel Spaß beim Aufnehmen des LOSTUNLOCKED Podcasts, der mit der letzten Staffel sogar immer live über CLIQ FM gesendet wurde. Und natürlich auch bei unserem RL-Treffen in Leipzig damals. Viele Grüße an (Ladies first) Annemarie, Daniel, Sebastian, Alex, Robert, Xell und alle, die ich vergessen habe. Wir haben gemeinsam gelitten, uns gefreut, gerätselt, manchmal gezofft, aber wir haben immer zusammen gehalten und hatten eine schöne LOST Zeit. Ich wünsche mir, daß unser Nachfolgeprojekt auch erfolgreich wird.

The End

Lange vorher war es angekündigt, daß die Serie mit der 6. Staffel enden wird. Erst konnten wir es nicht glauben, hatten Befürchtungen, daß uns das Ende nicht zufriedenstellen wird. Gestern Abend habe ich sämtliche Kommunkationsmedien abgeschaltet, um mich ja nicht aus Versehen spoilern zu lassen. Dann heute morgen aufgestanden und nach einer kurzen Joggingrunde die Folge geschaut.

Die Folge beginnt sehr emotional mit ergreifender Musik, die sich im  Laufe der Folge zur bekannten LOST-Melodie wandeln wird. Desmond und Hurley stellen sich als tragende Figuren heraus und die anderen Losties erkennen durch Inititalberührungen oder Reize wer sie wirklich sind, bzw. waren. Diese Vereinigungen werden durch emotionale Rückblenden unterstützt, die uns noch einmal die wichtigsten und schönsten Szenen der letzten 6 Jahre zeigen. Nach und nach erkennt jeder im Sideway, seine Vergangenheit und wo er sich tatsächlich befindet. Es treten die wichtigsten Hauptcharaktere außer Ilana, Eko, Nikki und Paolo, Michael, Walt noch einmal auf. Juliet stellt sich als Frau von Jack heraus, Rose und Bernard haben Desmond aus dem Brunnen geholt, Frank und Richard leben, Shannon ist wieder da und hat eine Szene mit Sayid (Nadja vergessen?), achja und Boone zeigt sich auch nochmal, Charlie und Claire finden zusammen, Juliet und Sawyer finden sich, Die letzte Einstellung gleich der ersten Einstellung aus der allerersten Folge, außer dass das Blätterdach hier nicht geschlossen ist und er die ajira Maschine sehen kann. Außerdem legt sich Vincent zu ihm und in der ersten Folge ist er an ihm vorbei weggerannt.

WTF is this all about?

Deutungsversuch 1 – Die Kirche / Jacks Tod:

Jack erkennt, dass er eigentlich tot ist. Gestorben auf der Insel bei dem Versuch die Insel zu schützen. Dies wird im Gespräch mit seinem (toten) Vater deutlich. Die Kirche ist eine Art Nexus, in dem sich der Gestorbene von seinen noch Lebenden Freunden verabschieden kann. Es gibt keine zeitliche Relation, der Nexus befindet sich im zeitlichen und räumlichen Nirgendwo. Es ist ein Raum der mit Energy gefüllt ist, die von der Lichtquelle im Zentrum der Insel gespeist wird, eine Einstein-Rosen-Brücke, besser bekannt als ein Wurmloch. In diesem Nexus finden sich alle zusammen, die gestorben sind. In diesem Kontinuum sind alle Religionen willkommen, was am Mosaikfenster hinter dem Sarg deutlich wird. Für jeden gibt es einem Weg der seinem Glauben und seiner Religion entspricht. Manche sterben früher und sind eher dort, manche später. Deswegen sagt Kate zu Jack, daß sie ihn so sehr vermisst hat, weil sie erst lange nach ihm gestorben ist. Diese Welt können die Toten mit dem ausstatten, was sie sich wünschen. So hat Jack einen Sohn und ein geregeltes Leben, ist erfolgreich beim Operieren und es treten keine Schwierigkeiten auf. Auch sieht man jetzt die Charakteränderungen gegenüber seinem Inselcharakter, in einem ganz anderen Licht und es ergibt Sinn.

Hurley der neue Jacob und Ben sein Gehilfe. Ich denke, daß er diese Nexus geschaffen hat um dort die Personen zusammeführen. Der Wächter des Lichts (Hurley) und wahrscheinlich auch sein Gehilfe leben außerhalb von Zeit und Raum, so ähnlich wie damals Q bei Star Trek. Man könnte jetzt fragen: Warum kommen gerade diese Personen in diesem Nexus zusammen? Warum z.B. sieht Locke dort nicht seine Frau? Darauf habe ich zwei Antworten: 1.) Es wird gesagt, daß die Personen zusammengeführt werden, die eine wichtige Zeit ihres Lebens miteinander verbracht haben. 2.) Ist es ein erzählerischer Gefallen der Autoren, um uns alle liebgewordenenen Charaktere der letzten 6 Jahre noch einmal zu zeigen.

Deutungsversuch 2 – Die Insel:

Die Insel ist der Stöpsel in der Einstein-Rosen-Brücke, der auf bestimmte Art und Weise aus der realen Welt erreicht werden kann. Hier wird kanalisiert und ausgewählt, die Kraft der Insel hat Macht über Leben und Tod, sowie Unsterblichkeit. White / Black, Gut / Böse das vorherrschende Motiv seit der ersten Staffel, tritt hier in Form von Jacob und Men in Black auf. Auf der Insel werden die Menschen getestet, bei denen nicht klar ist zu welcher Seite sie gehören. Im Laufe des Entwicklungsprozesses kann hier jeder zu einem der Kandidaten für die eine oder andere Seite werden und der jeweils ausgewählte kann die Insel verlassen und in den Nexus gehen, von wo aus er in den Himmel gehen kann. Die Sprünge in der Zeit, das Verlassen der Insel in den vorhergehenden Staffeln würden dazu passen.

Deutungsversuch 3 – Loophole:

Jack ist Jacob. Als Desmond den „Stöpsel“ zieht, erlischt für kurze Zeit die Kraft der Insel und Kate kann Flocke (Nemesis) töten. Unglücklicherweise verletzt Flocke vorher Jack schwer, was sich im nachhinein aber als Glück herausstellen soll. Jack überträgt sein Wächter-Schicksal an Hurley, steigt verletzt in den Whirlpool der Insel und steckt den Stöpsel wieder rein und belebt damit die Kräfte der Insel neu. In dem Moment passiert ihm dasselbe, das damals Man in Black passiert ist und er landet an der selben Stelle außerhalb der Grotte. Durch seine Verletzung stirbt er und mit ihm das Böse. Vielleicht wollte MiB gar nicht in die „reale Welt“ von der Insel herunter. Vielleicht wollte er einfach nur sterben und das hat er damit geschafft. Man könnte auch weiter mutmaßen, daß er im Körper von Jack jetzt sogar in den Himmel kommen kann, aber ich glaube so weit haben die Macher das nicht gedacht. Das Loophole ist die indirekte Selbsttötung der Nemesis.

Whatever happened, happened?

Daniel hat es damals schon richtig erkannt. Was auf der Insel geschehen ist, sollte genau so geschehen. Was mit uns in den letzten 6 Jahren geschehen ist, ist ein einzigartiges TV Phänomen, das mit diesem Serienfinale einen würdigen Abschluß gefunden hat. Sicher sind nicht alle Rätsel gelöst und auch in der letzten Folge noch ein paar Fragen aufgeworfen worden (Gerippe beim Stöpsel, was passiert mit Bernard und Rose), aber hey Leute: der Weg ist das Ziel. Macht es uns schlauer von jemandem bis ins Detail aufgetischt zu bekommen, welche Lösung jedes kleine Mysterium hat, oder macht es uns stärker, selber darüber nachzudenken, Theorien zu entwickeln und LOST anzuschauen und uns an dem grandiosen Drehbuch und an der überragenden Charakterzeichnung zu erfreuen. Das Staffelfinale, das ich soeben gesehen habe, ist das beste Staffelfinale einer Serie, das ich jemals gesehen habe und wird mich noch lange beschäftigen. Es war hochgradig emotional und rührte mich mehr als einmal zu Tränen und es vermittelte eine starkes Gefühl der Sentimentalität und „das Gefühl daß es nie wieder so schön wird, wie es jetzt gerade ist“. An alles LOST Fans da draußen: vielen Dank für 6 Jahre miträtseln und Theorien entwickeln und alle Nicht-LOST Fans: ihr habt echt was verpasst und ich wünsche euch, daß ihr irgendwann dieser Serie mal eine Chance gebt.

Und so möchte ich mit meinem letzten LOST Eintrag euch liebe Freunde und Fans umarmen und sagen: You’re all everybody!
LOST ist vorbei, es lebe LOST.

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Weiterführende Links:

Am Sonntag den 30.05.2010 ab 16:00 Uhr findet unsere Livesendung zur finalen Episode statt

„LOST in your eyes“ bei Jimmi Kimmel

Audience LOST Questions

alternate Endings

Wormhole

Die Erinnerungen im Nexus

Theorie und Spekulationen von den Videoraiders

20.01.2011 Nachtrag:  Für alle, die an dem Ende herummeckern, hier ein sehr guter Artikel (in English): About Lost’s Ending


#download, #Lost, #Lostunlocked
3 thoughts on “LOST – The End – The Final Episode – S06E17-18”
  1. Hallo Eric,
    auf die Einstein-Rosen-Brücke hast Du Dich jetzt aber eingeschossen oder? 🙂
    Ich weiß, was Du meinst, auch wenn ich glaube, dass die Einstein-Rosen-Brücke letztlich nichts mit dem zu tun haben dürfte, was auf der Lost-Insel passiert, eine Denkhilfe mags sein. Ich versuchs einfach mal mit meiner Deutung.

    Die Insel ist der Ort, an dem das Licht ist, nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Das Licht ist das Entscheidende. Das Licht sehe ich als eine Art Seelenbrunnen, in dem das „verwahrt“ wird, was den Menschen menschlich sein lässt. Das, was dem Zyklus „life, death, rebirth“ den Sinn gibt.

    Claudia, Jacob, Jack, schließlich Hurley (und davor und danach ungezählte andere), sie sind die Hüter, zuständig dafür, dass dem Licht nichts passiert, zuständig dafür, dass der Zyklus nicht unterbrochen wird, zuständig dafür, dass das Leben „beseelt“ weitergeht.

    Den Kampf Gut gegen Böse habe ich in der Serie nie gesehen. Jacob ist nicht gut, er tötet, lässt Leid zu, er verfolgt letztlich ziemlich skrupellos sein Ziel: Das Licht zu schützen und dafür zu sorgen, dass es so bleibt. Er hält das für ein gutes Ziel, aber es geht ihm um die Erfüllung dieser Aufgabe, seines Schicksals, das er angenommen hat.

    MiB dagegen wehrt sich gegen sein Schicksal, er wird nicht, wie von Claudia angestrebt, der neue Hüter der Insel, er lässt sich nicht eine Bestimmung aufdrücken, nur weil „it has to be you“. Das zählt für ihn nicht. Er hat seinen eigenen freien Willen, er entscheidet, symbolisiert in dem Wunsch, die Insel zu verlassen. Diesen freien Willen versucht er mit aller Macht durchzusetzen. Das Licht kann ja wichtig sein, aber MiB ists egal, er will von der Insel, und wenn er dazu das Licht löschen muss, Jacob töten muss, die Insel versenken muss, dann ist das eben so.

    Die beiden bilden schon ein Gegensatzpaar: Glaube an Schicksal Glaube an den freien Willen, Wille zur Unterordnung Wunsch nach freier Entfaltung, aber eben gerade nicht gut böse. Beide sind, trotz ihrer vorübergehenden Unsterblichkeit letztlich ziemlich menschlisch.

    Das war mein Stand vor der letzten Folge. Die letzte Folge konnte mich nicht recht von dieser Deutung abbringen – passt andererseits aber auch nicht richtig hinein.

    Wenn das Licht so wichtig ist, wieso kann es dann ausgehen, ungestraft, von paar Erdrumplern mal abgesehen? Was ist mit „then thats it, for all of us“? Wie kommt Jack auf die Schnappsidee, sich mit MiB zusammenzutun und Desmond mal runterzulassen und zu schauen, was dann wohl passieren wird? Wieso rennt Desmond überall mit und tut, was auch immer ihm entweder Locke, Ben, Jack, Rose oder sonstwer sagen? Was ist mit Bens Motivation? Erst reumütig, dann bei MiB, bereit, alles und jeden zu töten, dann wieder doch nicht?

    Ich war die ganze Zeit während Eurer Podcasts zu den einzelnen Folgen immer etwas genervt, wenn Euch, vor allem Daniel ;), irgendwas unlogisch erschien oder zu wenig erklärt wurde. Das ist doch das Lost-Prinzip. Man kriegt Rätsel vorgesetzt, manche kann man lösen, andere ergeben – momentan – keinen Sinn. Dann gleich davon auszugehen, dass die Autoren es verpfuscht haben, fand ich immer etwas unangemessen, teils sogar überheblich.

    Jetzt, nach der letzten Folge, dreht sich das Bild anscheinend. Du scheinst mit der Folge hochzufrieden zu sein, ich bin gespannt, was die anderen am Donnerstag sagen. Ich dagegen, stehe nach der letzten Folge da und komme mir teils wie ein Idiot vor, der irgendwas nicht kapiert hat, teils aber auch wie jemand, der zu unrecht die Autoren in Schutz genommen hat. Die oben gestellten Fragen sind mir zu viele, die ich nicht beantworten konnte. Dadurch wirkt das Inselfinale teilweise wie ein eher auf Action getrimmtes Spannungsszenario, dem die Auflösung nicht wirklich wichtig ist.

    Wo ich damit ganz gut leben könnte, da habe ich mit dem Off-Island-Finale noch deutlich größere Probleme. Ich stimme Deiner Deutung zu, mir fällt nichts besseres ein, leider. Die Parallelwelt war von Anfang an der Nexus, irgendwas zwischen Leben und Tod, vielleicht das Licht? Dort bauen sich alle ihr hübsches Leben auf, kriegen, was sie vorher nicht bekommen hatten, sind glücklich. Schön.

    Aber wie erzählen uns das Lindelof/Cuse? Der Flug über die versunkene Insel, im Nachhinein ein eher billiger Neugierdewecker. Warum haben die Personen im „Nexus“ zunächst alle irgendwelche Probleme? Jin und Sun ihre Verfolgung, Kate ebenso, Claire rennen die Adoptiveltern weg, Jack kommt der Vater abhanden. Wozu dieser Spannungsaufbau? Und wieso erkennen sich alle im „Nexus“ nicht mehr? Warum muss erst ein Desmond daherkommen und auf einmal mehr wissen als alle anderen und das Schicksal in die Hand nehmen? Nur geschundene Zeit, um Staffeln zu füllen? Ich hoffe, ich habe da etwas übersehen, vielleicht findet Ihr es am Donnerstag.

    Bis dahin war Lost für mich eine der besten Serien im TV, aber nur bis etwa 30 Minuten vor Ende, dann gings den Bach runter.

  2. Ich finde deine Deutungsversuche äußerst interessant und durchaus gut begründet. Allerdings ist die Loophole-Theorie sehr brüchig und unschlüssig. Immerhin kommt der Körper von Jacobs Bruder damals ja auch wieder aus der Höhle und IST tot. Von daher macht es keinen Sinn, das das Rauchmonster „in“ Jack dadurch stirbt. Das ist schwierig zu erklären – ich hoffe du weiß was ich meine 😀

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